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Auf einen Kaffee mit: Armin Kremer

Ausgabe 22

DATUM: 21.07.2018

Er ist einer der Vorzeigeunternehmer unseres Landkreises: Armin Kremer. Als Geschäftsführer der Mecklenburger Landpute ist er gemeinsam mit seinem Bruder Frank Arbeitgeber für über 240 Angestellte am Standort in Severin. Frühzeitig erkannten die Kremers, das hochwertiges Geflügelfleisch ein wichtiges Marktsegment bietet. Frischfleischwaren, Wurst und Salate – Bio Produkte bis hin zu Bio-Futter für Katzen und Hunde: All das wird verarbeitet und verkauft in weiten Teilen  Westmecklenburgs und darüber hinaus. Armin Kremer ist zudem vielen eingefleischten Motorsportfans ein fester Begriff. Denn der dreifache Deutsche Rallyemeister galt lange Zeit als einer der vielleicht besten Deutschen Motorsportler. Wir trafen Armin Kremer in Severin und sprachen mit ihm über seine Zeit im Rallyesport, das Leben, unseren Landkreis – seine Heimat und weshalb sein Bruder Frank und er sich so gut ergänzen. Ein großes Lese-Vergnügen – wir wünschen Ihnen wie immer eine gute Unterhaltung.

WiFöG: Herr Kremer, Sie sind ein erfolgreicher Unternehmer und eine Legende im Rallye-Motorsport. Wenn Sie beruflich unterwegs sind, fahren Sie dann eher langsam und entspannt oder kommt da das Rennfahrerblut in Ihnen noch manchmal durch?

Kremer: Hm, das ist eine gute Frage … (lächelt) Aber mal ganz im Ernst: Sport ist Sport und Straße ist Straße. Meistens bin ich sehr entspannt unterwegs, wenn ich zu einem Termin fahre. Das Autofahren dient eher der Entspannung und ist Teil der Vorbereitung. Ich erlebe außerdem selbst als Verkehrsteilnehmer, wie „sportlich“ andere Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Wobei das dann schon eher an „Unsportlichkeit“ grenzt … (lacht)

WiFöG: Schon Ihre Eltern liebten den Rallyesport. In welchem Alter und mit welchem Wagen haben Sie Ihr erstes Rennen bestritten?

Kremer: Es ist richtig, dass ich durch meine Eltern schon sehr früh das große Interesse zum Rallyesport aufgesogen habe. Insbesondere mein Vater war immer ein sehr großer Fan aus Leidenschaft. Der Rallyesport bot auch ein Stück weit Ablenkung von den Einschränkungen des Alltags. Einerseits interessierte uns damals bereits der Motorsport im Westen, den wir reduziert wahrnehmen konnten, andererseits gab es eine tolle Motorsport-Szene bei uns, die uns magisch anzog. Das erste Rennen habe ich selbst in einem Trabant bestritten. Das war 1990. 26 PS hatte der. Und er war zu der Zeit sehr günstig in der Anschaffung. (lacht) Irre, wenn man heute so darüber nachdenkt. Aber der Wagen hat ganz schön gedrückt für damalige Verhältnisse … (lacht herzlich)

WiFöG: Wie haben Sie damals abgeschnitten?

Kremer: Wir haben gewonnen. Das war der letzte Lauf zur Deutschen Meisterschaft bei uns im Osten. Das Rennen fand in Eisenach statt, wo damals der Wartburg gebaut wurde. Und in unserer Wagenklasse gab es an dem Tag keinen, der so gut war wie wir.

WiFöG: Geboren sind Sie im Dezember 1968. Sie waren also zu Wendezeiten 21 bzw. 22 Jahre alt. War Ihnen schon damals bewusst, dass Sie das Zeug dazu hatten, eine absolute Größe im internationalen Rallyesport werden zu können?

Kremer: Nein, wie hätte ich das ahnen können. Die Wendezeit öffnete mir persönlich sehr viele Horizonte. Einer davon war, dass ich feststellen durfte, wie die Rennsportszene im Westen funktionierte. Ich war damals noch sehr jung – eigentlich sogar genau im richtigen Alter. Und dann gab es Trainingscamps und eine Nachwuchsserie, in der ich mich beweisen konnte. Da fiel ich dann auch arrivierteren Sportlern auf.

WiFöG: Gerade in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung galten Sie so ein wenig als der Schrecken für die Rennfahrer aus Westdeutschland. Haben Sie selbst das auch so wahrgenommen? Wie war das Verhältnis in den ersten Jahren zu den Konkurrenten aus dem Westen?

Kremer: Ach, als „Schrecken“ habe ich mich selbst nie empfunden. Das waren Kollegen und natürlich auch Konkurrenten. Die waren erstaunt, wie schnell wir unterwegs waren. Manche haben uns  auch belächelt. Aber nur recht kurze Zeit. (lacht) Und dadurch kam dann auch der Respekt. Respekt ist etwas, das gerade im Rallyesport zählt – bis heute hin.

WiFöG: Gab oder gibt es Konkurrenten von damals, die Sie besonders schätzen? Oder gibt es generell Motorsportler, die Sie selbst verehren?

Kremer: Klar, die gab und gibt es. Harald Demuth war so jemand. Den habe ich in der Wendezeit kennen gelernt. Er war als bereits sehr erfolgreicher Fahrer einer, der uns Jüngeren eine ganze Menge beigebracht hat. Walter Röhrl war bereits zu Ostzeiten ein Idol für mich – ein ganz toller Sportler. Und am meisten beeindruckt war ich von dem Finnen Juha Kankkunen. Das war vielleicht der kompetenteste Fahrer damals und ein ganz Großer. Aber letztlich geht es beim Rennsport immer darum, die anzugreifen, die oben stehen. Man darf da nicht in Ehrfurcht erstarren, man muss sehen, dass man schneller fährt, besser arbeitet. Eine schöne Schule auch für das eigentliche Leben – wie ich finde.

WiFöG: Ihre eigene Erfolgsbilanz kann sich sehr sehen lassen: Es folgten divere Triumphe im Motorsport. Unter anderem 3 Deutsche Meisterschaften (1996, 1998, 1999), eine Europameisterschaft (2001) und der Sieg bei der Asia-Pacifik-Rallye Meisterschaft (2003). Sie sind ganz schön herumgekommen …

Kremer: In der Tat ja. Es waren ja auch noch weitere Erfolge und Erlebnisse, die mich im Sinne des Sports aber auch als Mensch prägten. 7x Rallye Monte Carlo, Weltmeisterschaftsläufe, Einzelrennen usw. Ich bin sehr viel rumgekommen und habe viel von der Welt sehen dürfen.

WiFöG: Im Jahr 1997 hatten Sie einensehr schweren Unfall. Dabei verstarb Ihr Co-Pilot und Jugendfreund. Wie konnten Sie diese schwere Situation überstehen? Immerhin gelang es Ihnen danach, weitere Titel zu holen.

Kremer: Das war natürlich ganz furchtbar. Ich selbst hatte dabei sehr viel Glück, dass ich überlebt habe. Mein Freund und Co-Pilot hat es damals aber nicht mehr geschafft. Nach so einem Erlebnis gehen einem sehr viele Gedanken durch den Kopf. Das, was mich hat weitermachen lassen, war letztlich die Tatsache, dass mein Freund Sven Behling und ich uns einerseits immer der Risiken, die in dem Sport stecken, bewusst waren. Und dass wir oft darüber gesprochen hatten, was alles passieren kann und wie mit so einem Unfall umzugehen sei. Es gab Zeiten, da passierte viel und daher war uns beiden immer klar, dass wir den Sport so sehr leben, dass, wenn etwas passieren würde, bei dem der eine von uns nicht heil aus der Situation herauskommt, der andere weitermachen solle. Das ist dann allerdings noch einmal ein Unterschied, wenn dieser Fall eintritt – und wenn er, so wie bei uns, tödlich endet. Ich habe schon gebraucht, um wieder mit dem richtigen Risiko fahren zu können. Aber es ist eben dieses Risiko, dass einen schneller macht, als die Konkurrenten. Von daher wollte ich wieder alles geben, sonst hätte ich aufgehört.

»Ich lebe hier. Und das ist ganz genau dort, wo ich leben will. Ich kann jeden sehr gut verstehen, der von woanders her kommt und der sagen würde: „Hier bei Euch ist es am schönsten!“«

WiFöG: Als Sportler erreichten Sie eine sehr große Popularität – nicht nur hier bei uns im Landkreis. Gab es für Sie als Unternehmer Situationen in denen Sie spürten, dass Ihnen dies dabei half, die eine oder andere Tür ein wenig leichter zu öffnen?

Kremer: Ja, ich denke, da müsste ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass hätte es nie so gegeben. (lacht) Ich denke aber, dass es nur die „Tür“ war, die sich leichter „öffnen“ ließ. Alles andere hat mit der Güte und der Qualität der Arbeit zu tun – nicht nur von mir: Vor allem von unseren vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und da bin ich sehr stolz drauf.

WiFöG: Ihre Karriere im Familienunternehmen startete auch bereits sehr früh. Wer hat Sie ausgebildet?

Kremer: Zunächst war das mit Sicherheit mein Vater. Aber dann musste ich mir wirklich sehr viel selbst erarbeiten. Und das – so denke ich – war auch sehr gut so. „Learning by doing“ ist etwas Wunderbares. Zumindest, so lange man alles halbwegs vernünftig und richtig macht … (lacht)

WiFöG: Heute zählt Ihr Unternehmen zu den etablierten Marken im Nordosten. Auf was führen Sie die Erfolge der Marke „Landpute“ zurück?

Kremer: Ich denke, das hat viele Gründe. Da ist einerseits die hohe Qualität dessen, was unsere Kunden zu einem wirklich sehr fairen Preis erhalten. Und natürlich spricht der regionale Bezug der in unserer Marke „Mecklenburger Landpute“ steckt, sehr viele Menschen hierzulande an.

WiFöG: Warum sollte man keine Schwäbische Landpute kaufen …

Kremer: (lacht herzlich) Ganz genau. Das wäre vollkommener Unsinn hierzulande …

WiFöG: Auch Ihr Bruder Frank ist im Unternehmen. Gibt es da manchmal eine Spur brüderlicher Rivalitäten unter Ihnen beiden?

Kremer: Wissen Sie, dies ist eine Frage die ich eindeutig mit NEIN beantworten kann.

WiFöG: Es gibt zwischen Ihnen beiden keine brüderliche Rivalität?

Kremer: (lacht) Natürlich gab es das zwischen uns: in der Kindheit und in der Jugend. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass wir im Erwachsenenalter eine Rivalität zwischen uns hatten. Im Gegenteil: Auch außerhalb der Firma arbeiten wir sehr gut zusammen. Als ich die Rennen fuhr, kümmerte sich Frank mehr um den Betrieb und übrigens auch um das Fahrerlager … (lacht herzlich) Alle liebten unsere Erzeugnisse und Frank erhielt den Auftrag, das Catering im Fahrerlager zu  organisieren. Ich glaube, dass in unserem Fall das Erfolgsrezept lautete: „Jeder hat feste Aufgaben“. Und jeder von uns beiden weiß, dass er sich hundertprozentig auf den jeweils anderen verlassen kann.

WiFöG: Sie sind in Crivitz geboren, in Friedrichsruhe aufgewachsen. Ihr Unternehmen liegt in Severin. Das sind alles keine weiten Entfernungen. Gibt es Orte, die weiter weg liegen, an denen Sie schon waren, und wo Sie dachten: „Hier könnte ich auch sehr gut leben?“

Kremer: Klar! Aber wenn ich die jetzt nennen würde, dann sagen Ihnen manche dieser Orte gar nichts. Und mir ist eigentlich sehr viel wichtiger als so eine mehr als hypothetische Aussage, dass ich ganz klar mache: Ich lebe hier. Und das ist ganz genau dort, wo ich leben will. Ich kann jeden sehr gut verstehen, der von woanders her kommt und der auf diese Frage antworten würde: „Hier bei Euch ist es am schönsten!“ (lacht herzlich)

WiFöG: Das haben Sie sehr schön formuliert…

Kremer: Und das, ohne, dass wir uns zuvor abgesprochen haben … (lacht herzlich) Aber genau so ist das für mich. Ich könnte nicht woanders leben. Ich würde das alles hier viel zu sehr vermissen.

WiFöG: Gerade haben die Sommerferien begonnen. Sind Sie jemand, der sich im Urlaub bewusst erholen kann und dabei komplett abschaltet?

Kremer: Nein, so jemand bin ich nicht. Das ist auch nicht immer leicht für meine Familie und den ein oder anderen Mitarbeiter – Freizeit beginnt für mich, wenn ich zu einem auswärtigen Termin fahre. Und das kommt glücklicherweise öfter im Jahr vor. Aber 3 Wochen verreisen, ohne Kommunikationsmittel? Das könnte ich keinesfalls.

WiFöG: Zum Ende hin haben wir noch zwei sehr kurze Fragen, die in jeweils nur zwei Worten bestehen. Sie nennen uns einfach Ihre Präferenz … Die erste Frage lautet: Ostsee oder Badesee?

Kremer: Hm. Dann sage ich: Pinnower See! (lacht sehr herzlich)

WiFöG: Tatsächlich?

Kremer: Ja, der ist so wundervoll und großartig – da geht für mich persönlich gar nichts drüber!

WiFöG: Und die zweite Abschlussfrage lautet: 5-Sterne-Hotel oder Zeltplatz?

Kremer: Hm. Am liebsten nichts von alldem. Ich mag es irgendwo dazwischen. 5-Sterne sind für mich zu viele, da fühle ich mich nicht wohl. Zeltplätze habe ich früher zuhauf genießen dürfen, das ist auch nicht meins. Nein, ich denke 3 bis 4 Sterne oder eine sehr gut geführte Pension – damit bin ich sehr schnell einverstanden.

WiFöG: Herr Kremer, vielen Dank für dieses Gespräch.

© Bilder: Armin Kremer; Marc Brendemühl, Christine Schade

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