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Auf einen Kaffee mit: Ina Teloudis

Ausgabe 18

DATUM: 19.05.2018

In Parchim und in Crivitz trafen wir uns mit der Ostseewelle-Radiomoderatorin Ina Teloudis und sprachen mit ihr über ihren spannenden Lebensweg, der sie von Schleswig-Holstein und Hamburg schließlich nach Südwestwecklenburg und nun nach Rostock führte. Bei etwas mehr als einem Café samt Cookies erzählte uns die gelernte Pferdewirtin, die in einem „Kuhdorf“ zwischen Reinbek und Hamburg aufgewachsen ist, wie sie vor vielen Jahren zum Radio kam und dort vom „Sidekick“ zur  Moderatorin aufstieg, welche Erlebnisse es ihr ein paar Mal schwer machten, während der Sendung die richtigen Worte zu finden und für welche Region ihr Herz wirklich schlägt. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lese-Unterhaltung und ein erholsames Wochenende.

WiFöG: Frau Teloudis – hierzulande sind Sie den meisten Menschen bekannt als Radiomoderatorin. Werden Sie öfter in der Öffentlichkeit an Ihrer Stimme erkannt oder doch eher insgesamt?

Teloudis: Das ist eine interessante Frage. Bisher führe ich da gar nicht Buch drüber. (lacht herzlich) Aber wahrscheinlich ist es schon so, dass man mich eher an der Stimme erkennen kann.

WiFöG: Sie wohnen seit kurzem in Rostock – davor lebten Sie lange Zeit in unserem Landkreis. Sind Sie eher ein Stadt- oder ein Landmensch?

Teloudis: Ich bin schon generell eher ein Landmensch. Die Entscheidung, nach Rostock zu ziehen, hatte viele Gründe – in erster Linie berufliche. Aber ich genieße es nach wie vor sehr, hier raus zu kommen und meine Zeit auf dem Lande zu verbringen.

WiFöG: Wie oft zieht es Sie in der Regel hier in unsere Region?

Teloudis: Also gerade, wenn es draußen schön ist, bin ich eigentlich so gut wie jedes Wochenende hier in der Nähe bei meinen Eltern und bei Freunden.

WiFöG: Geboren und aufgewachsen sind Sie aber in Schleswig-Holstein. Wo genau?

Teloudis: Nun, geboren bin ich in Reinbek. Aufgewachsen in einem kleinen Kuhdorf zwischen Reinbek und Hamburg. Ich habe also bereits in meiner Kindheit das Landleben in vollen Zügen genießen können. (lacht) Zur Schule gegangen bin ich allerdings in Hamburg Billstedt. Ein ziemlicher Kontrast, der aber vor allem auch sehr bereichernd gewesen ist.

WiFöG: Inwiefern?

Teloudis: Ich konnte beides erleben – Großstadt und Dorf. Beides am selben Tag und mit allen damit verbundenen Reizen und Risiken … (lacht)

WiFöG: Letztere wohl mehr in der Großstadt…

Teloudis: Ach nein. Billstedt ist schon ein Stadtteil Hamburgs mit vielen Problemen. Aber ich konnte meine Schulzeit dort gut verbringen. Es war auch irgendwie aufregend, wenn ich nach der Schule mit Bus und Bahn aus der Metropole zurück aufs kleine Dorf kam. Ich war damals Pendlerin. Und ich war deswegen auch stolz auf mich.

WiFöG: Jetzt haben Sie sich aber gegen das Pendeln entschieden. Ihr Arbeitsplatz liegt in Rostock – eigentlich ist das doch von hier aus ganz gut erreichbar?

Teloudis: Das ist zwar richtig. Ich bin jedoch auch Mutter. Und deswegen habe ich mich letztlich gegen das tägliche Pendeln entschieden.

WiFöG: Aber Ihr Herz weint …

Teloudis: Absolut ja! Ich habe mir diese Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht. Denn auch wenn Rostock eine wirklich sehr schöne und vitale Stadt ist – mit ganz viel Potenzial auch für junge Familien mit Kindern – nichts kommt an Südwestmecklenburg ran … (lacht herzlich)

WiFöG: Klingt beinahe wie ein Liebesgeständnis…

Teloudis: Das ist es auch … (lacht)

WiFöG: Wann und wie kamen Sie eigentlich hierher?

Teloudis: Nun, meine Eltern zogen irgendwann hier aufs Land. Sie hatten einen alten Forsthof gekauft, der reichlich Sanierungsstau hatte und verschwanden deswegen aus Schleswig-Holstein. Zunächst fand ich das gar nicht so schlecht, schließlich war ich gerade dabei, meine Ausbildung zur Pferdewirtin zu absolvieren. Eine Phase, in der die meisten jungen Menschen wohl eigene Wege gehen und in der man es nicht als besonders schlimm empfindet, wenn sich der Abstand zu den eigenen Eltern ein wenig vergrößert. (lächelt)

WiFöG: Was passierte dann?

Teloudis: Ich arbeitete nach meiner Ausbildung so ziemlich genau ein Jahr in meinem angestammten Beruf und merkte, dass dies nicht das sei, was ich mir für mein Berufsleben erhofft hatte.

WiFöG: Für viele Menschen wäre das wohl eine mittelprächtige Katastrophe …

Teloudis: Wahrscheinlich ja, wobei ich denke, dass sollte so nicht sein. Natürlich ist es schwierig, wenn man nach einer Ausbildung oder einem Studiengang merkt, dass der frühere Berufswunsch, der einen dazu angetrieben hat, etwas Bestimmtes zu lernen, nicht wirklich das Richtige für einen selbst ist. Dennoch sollte man dann nicht aufgeben oder gar resignieren.

WiFöG: Woran genau lag es bei Ihnen?

Teloudis: Ich hatte schon sehr früh in meinem Leben eine tolle Beziehung zu Pferden – besaß zwei.

WiFöG: Würden Sie sich auch als „Pferdemädchen“ bezeichnen?

Teloudis: Sie meinen so, wie das unlängst auch schon Antje Kerber in der Story über Redefin tat? (lacht herzlich) Sie sehen: Ich habe den Weekender gelesen … Aber, ja natürlich, der Begriff trifft voll und ganz zu. Jedoch ist es das eine, wenn man Pferde liebt – sie hegt und pflegt. Ich meine damit ein bis zwei Pferde, die man sein Leben lang kennt. Oder, ob man das beruflich macht. Und dabei sehr viele Pferde zuversorgen hat, zu denen man aber eben keine ganz so enge Beziehung hat. Für mich ging das nicht. Deswegen beschloss ich, diesen Weg nicht weiter fortzusetzen. Ich brauchte damals aber Rat und auch ein wenig Unterstützung. Also suchte ich meine Eltern auf …

WiFöG: In Südwestmecklenburg …

Teloudis: Ganz genau! (lächelt) So kam ich damals hierher. Und ich blieb bis vor anderthalb Jahren.

WiFöG: Sie begannen Ihre Radiokarriere bei Antenne MV – damals noch in Plate …

Teloudis: Ja, das waren tolle Zeiten. Ganz so schnell ging das allerdings noch nicht mit meiner Karriere. (lacht) Zunächst durfte ich Zuarbeiten machen: Kaffee kochen, Telefonate führen – solche Dinge halt. Dann aber bekam ich die große Chance, als ein sogenannter „Sidekick“ für eine Sendung gesucht wurde. Damals traute man mir das zu und so begann meine Laufbahn vor dem Mikro, die bis heute hin anhält. Und Plate war ein außergewöhnlicher Ort für einen Radiosender. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

WiFöG: Sie starteten 1999 und blieben bis 2016 bei Antenne MV.

Teloudis: Das ist für Radiomoderatoren eine ganz schön lange Zeit. Viele, die damals dort um die Jahrtausendwende gearbeitet haben, sind weiter gezogen oder machen sogar teilweise gar kein Radio mehr. Ein paar jener damaligen Kollegen sind aber noch heute bei Antenne MV.

WiFöG: Sie zogen dann ja auch weiter und arbeiten jetzt bei Ostseewelle HIT-Radio M-V. War das ein großer Schritt für Sie?

Teloudis: Einerseits ja, weil eine lange Zeit bei einem Arbeitgeber einen prägt. Andererseits nicht so sehr, weil man sich innerhalb der Branche zumeist recht gut kennt und ich dort auf bekannte Menschen traf. Ich hielt es für an der Zeit, einen Wechsel vorzunehmen und diese Entscheidung habe ich nicht bereut.

WiFöG: Kommt es vor, dass man gerade am Anfang dazu neigt, aus Versehen den falschen Sendernamen zu sagen – während man live auf Sendung ist?

Teloudis: (lacht herzlich) Nein, das ist mir zum Glück nicht passiert. Ostseewelle ist aber auch nicht nur ein sehr guter Sender – auch der Name ist griffig und geht leicht und gut von der Zunge. (lächelt) Ostseewelle … Ich finde, dass da schon ein wenig die seichten Wellen der Ostseeküste im Wort mitschwingen … (lacht)

WiFöG: Gab es eigentlich Momente, in denen es für Sie schwierig war, passende Worte zu finden?

Teloudis: Ja, wenn auch selten. Der 11. September 2001 war so ein Tag. Aber auch kürzlich, als wir die Meldung bringen mussten, dass der ehemalige Ministerpräsident Erwin Sellering aufgrund seiner schweren Erkrankung seine Ämter per sofort niederlegt. Das ging mir dann schon sehr nah, da ich auch persönlich schon mit ihm zu tun hatte. Mir war in diesem Moment bewusst, dass ich mich da sehr stark zusammen nehmen musste. Es sind Momente mit einer sehr großenEmotionalität – ich denke, das geht mir da aber nicht anders als wohl jedem anderen.

WiFöG: Erinnern Sie sich auch an positive emotionale Momente, die Ihnen die Sprache verschlugen?

Teloudis: Ja klar. Man darf aber auch nicht vergessen: Wir machen Unterhaltung. Entertainment. Da gibt es natürlich zahlreiche Situationen, in denen wir Menschen „live“ glücklich machen. Beispielsweise dann, wenn wir – was regelmäßig passiert – Gewinnspiele veranstalten. Wir haben immer wieder Gewinner, bei denen ich denke: Super – das trifft genau die richtigen. Menschen und Familien, die eng haushalten müssen und sich über Geldgewinne oder beispielsweise eine Reise so sehr freuen, weil es Ihnen Alltagssorgen nimmt. Das macht dann natürlich sehr viel Spaß und gibt auch bei mir regelmäßig eine Gänsehaut. Manchmal ist es auch so, dass wir aktiv helfen können. Beispielsweise erinnere ich mich sehr gut daran, dass es einen Reiterhof bei Rostock mal ziemlich übel getroffen hat. Die gesamten Futtervorräte waren bei einem Brand vernichtet worden. Die hatten da richtig große Not. Über den Sender riefen wir rund um die Uhr dazu auf zu helfen. Am Ende kam genügend zusammen, dass die ihren Betrieb weiter aufrecht erhalten konnten. Die waren so gerührt. Und wir beim Sender waren das auch. So etwas ist schon eine ganz tolle Sache …

WiFöG: Was verbinden Sie ganz persönlich mit Südwestmecklenburg?

Teloudis: Nun, zunächst einmal denke ich an die wirtschaftliche Stärke dieser Region. Es ist großartig zu sehen, was sich hier alles in den letzten beinahe drei Jahrzehnten entwickelt hat. Dann natürlich die wunderschöne Natur, die einem ja quasi wie selbstverständlich auf dem Silbertablett präsentiert wird. Und dann die vielen tollen Städte und Ortschaften – die ganze Vielfalt. Das macht diese Region wirklich einzigartig.

WiFöG: Wenn Sie einen Ort oder eine Region als Ihre Heimat bezeichnen sollten, wäre das dann die Gegend in Schleswig-Holstein, in der Sie aufwuchsen, Rostock, wo Sie jetzt leben oder unser Landkreis?

Teloudis: Na, das ist für mich – ganz ohne Zweifel – diese Region hier.

WiFöG: Wieso?

Teloudis: Weil das für mich einerseits mit den schönen Erinnerungen und Erlebnissen zu tun hat, die mir hier widerfahren sind. Dazu kommt, dass hier meine Eltern leben und ich sehr viel hier bin. Auch mein wesentlicher Freundeskreis kommt von hier oder lebt hier. Und: Mein Sohn Nikki ist hier geboren. Anderswo ist es auch sehr schön – beispielsweise in Rostock – aber meine Heimat liegt eben hier.

WiFöG: Wie ist das für Ihre Eltern? Ihr Vater ist in Griechenland geboren und Ihre Mutter stammt aus den Niederlanden. Wo liegt deren Heimat?

Teloudis: Ebenfalls hier. Ganz klar: Meine Eltern haben sich hier vor langer Zeit in diese Gegend verliebt – und diese Liebe hält. Ich finde das sehr schön zu beobachten.

WiFöG: Sie stammen aus einer sehr internationalen Familie …

Teloudis: In der Tat. Aber nicht nur das: Mein Lebensgefährte – der Vater meines Sohnes – ist übrigens Ire … (lacht herzlich) Ja, wir sind wohl wirklich ein sehr bunter Mix.

WiFöG: Verreisen Sie eigentlich oft? Und wenn ja – wohin und wie?

Teloudis: Ehrlich gesagt, verreisen wir eher selten. Dafür, dass wir so international aufgestellt sind, verbringen wir ganz schön wenig Zeit an den vielen Orten, aus denen unsere Familien stammen. (lächelt) Meistens fehlt die Zeit und viele Verwandte meines Vaters leben schon lange in Deutschland. Außerdem ist es ja hier auch sehr schön … (lacht herzlich)

WiFöG: Wenn Sie Ihren Traumurlaub realisieren könnten – wie sähe der aus?

Teloudis: Schön, dass Sie danach fragen … (lacht herzlich) Am allerliebsten würde ich mal mit einem Wohnmobil verreisen …

WiFöG: Dazu gab es gerade etwas im letzten Weekender …

Teloudis: Ganz genau. (lacht) Aber mal im Ernst: Einfach losfahren, Orte entdecken, ungezwungen sein – nur meine Liebsten und ich … Das wäre was für mich! (lächelt)

WiFöG: Wahrscheinlich bildet das auch einen schönen Kontrast zu Ihrem beruflichen Alltag vor dem Äther – mit sehr vielen Hörern, oder?

»Da gibt es natürlich zahlreiche Situationen, in denen wir Menschen „live“ glücklich machen. Beispielsweise dann, wenn wir – was regelmäßig passiert – Gewinnspiele veranstalten. Wir haben immer wieder Gewinner, bei denen ich denke: Super – das trifft genau die richtigen. Menschen und Familien, die eng haushalten müssen und sich über Geldgewinne oder beispielsweise eine Reise so sehr freuen, weil es Ihnen Alltagssorgen nimmt.«

Teloudis: Na ja, die vielen Menschen bekomme ich während der Arbeit im Studio eigentlich kaum mit. Etwas anderes ist es, wenn man einen Event moderiert – bei dem man dann „Face-to-Face“ mit den Menschen ist.

WiFöG: Sind Sie da tendenziell eher aufgeregt – oder machen Sie das ganz cool mit links?

Teloudis: Da bin ich schon eher aufgeregt. Nehmen wir das „Turmleuchten“ in Warnemünde. Da waren 90.000 Menschen vor Ort. Ich kann Ihnen sagen – da hatte ich Lampenfieber. Sobald so eine Veranstaltung aber begonnen hat, legt sich das. Eigentlich ist das Lampenfieber bei mir auch unabhängig davon, ob ich 500 Menschen oder eben 100.000 Menschen vor mir habe.

WiFöG: So, Frau Teloudis, jetzt sind wir auch schon bei der letzten Frage angelangt. Was ist Ihnen persönlich eigentlich lieber – andere zu interviewen oder selbst interviewt zu werden?

Teloudis: Das kann ich gar nicht so leicht beantworten. Ich glaube, ich mag beides. Ein klein wenig lieber ist es mir aber schon, wenn ich andere befragen kann. Doch ja: Ich interviewe lieber …

WiFöG: Frau Teloudis, vielen Dank für dieses Gespräch!

© Bilder: Ina Teloudis, Ostseewelle Hit-Radio Mecklenburg-Vorpommern, Marc Brendemühl

STECKBRIEF
  • Geboren: 1977

  • Gelernte Pferdewirtin

  • Radiomoderatorin Ostseewelle Hit-Radio Mecklenburg-Vorpommern

  • Auf Sendung: Di–Sa, 10–15 Uhr


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