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Fit - wie ein ganz besonderer Turnschuh

Ausgabe 3

DATUM: 30.09.2017

Ulf Lunge war in seiner frühen Jugend zunächst kein Supersportler. Eines Tages aber beschließt er, konsequent und diszipliniert mit dem Laufen zu beginnen. Jahre später – im Sommer 1983 – wird der mittlerweile passionierte Marathonläufer Hamburger Meister. Schon einige Jahre früher eröffnet er 1979 neben seinem Studium seinen ersten Laden für Laufschuhe in Hamburg Barmbek. Sein Bruder Lars – ein enthusiastischer Mittelstreckenläufer und gelernter Feinmechaniker – steigt mit ins Geschäft ein und die Geschäfte boomen. Längst träumen beide Brüder von mehr: Eigene Laufschuhe selbst in Deutschland herstellen. Im Jahr 2005 erfüllen sich Ulf und Lars Lunge diesen Wunsch und beginnen damit, aus einem alten Kuhstall eine Laufschuh-Fabrik zu entwickeln. Seitdem sind Laufschuhe – „made by LUNGE“ ein ernstzunehmendes Produkt auf dem Markt geworden. Sitz des Unternehmens: Düssin im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Ulf Lunge ist niemand, der einfach so eine Bauchentscheidung trifft und diese dann umsetzt. Der erfolgreiche Vollblut-Unternehmer mit dem Faible für lange Laufstrecken hat zwar immer schon sehr viele Ideen gehabt – umgesetzt wird eine solche aber erst dann, wenn ein echter Plan dahinter steckt. Mit seiner Liebe zum Laufsport war es ähnlich: „Ich habe wirklich nicht aus Spaß angefangen zu laufen – das war reines Kalkül“, sagt Ulf Lunge. Wenn damals in der Schulsportstunde im Unterricht die Mannschaften gewählt wurden, gehörte der ältere der beiden Lunge-Brüder stets zu den letzten, die mehr widerwillig als freudig eine der Mannschaften „verstärken“ sollten. Ulf Lunge: „Ich war irgendwann davon überzeugt, dass jeder Laufen lernen und trainieren kann. Man braucht eigentlich nichts weiter als Fleiß und Disziplin“. Und davon hatte er schon zu jener Zeit mehr als genug. Er begann zu trainieren. Zunächst lief er allein, später auch mit seinem jüngeren Bruder. Und ganz allmählich steigerte er sein Pensum, bis er dann irgendwann seine erste Marathon-Distanz intus hatte. Was folgte waren Wettkämpfe. Und Zeiten, die sich gewaschen hatten. 2 Stunden, 23 Minuten und 17 Sekunden – mit diesem Ergebnis wurde Ulf Lunge Hamburger Meister. Das war im Jahr 1983.

Vier Jahre zuvor bereits hatte Ulf Lunge mit einem Laufschuh-Laden begonnen. Im Hamburger Stadtteil Barmbek – in unmittelbarer Nähe zum Stadtpark – entstand damals der Beginn seines heutigen Imperiums. Das Studium der Wirtschaftswissenschaften musste irgendwann im Laufe der Jahre dran glauben: Die Läden liefen zu erfolgreich. Lunge, eine Laden-Marke, die sehr schnell zu einer festen Größe gerade unter norddeutschen Läufern geworden war, wuchs unaufhaltsam. Gemeinsam mit seinem Bruder Lars, der 1983 gegen Ende des Jahres miteingestiegen war, ging Ulf Lunge in den Läden neue Wege, die sich auszahlen sollten. Eine kostenlose Video-Analyse des Kunden auf dem Laufband – anderswo undenkbar, weil es teuer und platzaufwändig ist. Bei Lunge ist dies ein selbstverständlicher Bestandteil der Beratungs- und Verkaufsphilosophie. „Wir waren unserer Zeit voraus und das war auch gut so“, erinnert sich Ulf Lunge. Immer ein wenig schneller sein und mehr machen, um besser zu sein als die Wettbewerber – ein Credo sowohl für den Sport als auch für das Business, welches nun immer mehr wuchs. Laufen – oder „Joggen“ wie viele neudeutsch plötzlich sagten – ist in den 80ern längst ein fester Trend geworden.

Schuhe in Deutschland produzieren – ein Traum, der sich erfüllt hat

Hochwertige Laufschuhe hingegen, die hierzulande produziert wurden, gab es nicht. Die großen Marken produzierten schon in jener Zeit in Asien oder kamen gar aus dieser Region. Die Ära japanischer Marken und Produkte war längst eingeleitet. Die Wirtschaft boomte allgemein und Ulf Lunge wollte ebenfalls eigene Laufschuhe produzieren. Der Versuch, dies in Asien zu bewerkstelligen, misslang. „Das war ein Reinfall damals“, erzählt Lunge, „wir kamen gar nicht richtig rein ins produzieren, da war schon alles vorbei!“ Vielleicht war das einer der wenigen Schnellschüsse, die Ulf Lunge riskiert hat: „Das hat uns schon weh getan. Und auch Geld verbrannt“. Dennoch: Klein beigeben – das ist nicht die Sache der Lunge-Brüder. „Wir haben den Traum nie aufgegeben. Nur ein wenig zurückgestellt“, berichtet Ulf Lunge.

"Wir wussten sofort, dass dies genau der Ort (Düssin) sein sollte, an dem wir unseren Traum wahr machen würden"

Im Jahr 2005 war es dann soweit. Ulf Lunge und sein Bruder Lars hatten bereits in Mecklenburg-Vorpommern investiert: Gewerbe-Immobilien waren zu jener Zeit im Fokus der Brüder. Da fiel Ihnen ein spannendes Objekt in die Hände: ein alter, heruntergekommener Kuhstall in Düssin, einem kleinen Dorf zwischen Vellahn und Brahlstorf unweit von Boizenburg und der A24 bei Wittenburg. Auf den ersten Blick würde man hier wohl eher keine modern-innovative Schuhfabrik erwarten. Die Lunge-Brüder aber waren sich ihrer Sache sicher: „Wir wussten sofort, dass dies genau der Ort sein sollte, an dem wir unseren Traum wahr machen würden“, berichtet Ulf Lunge. Der Kauf wurde vollzogen und nahezu sofort begann man vor Ort mit der Sanierung und vollständigen Renovierung des alten Gebäudes. 2008 begann die Produktion der ersten LUNGE Schuhe. Made in M-V. Lunge: „Wir verfolgten von Anfang an konsequent den Plan, einerseits besonders hochwertige Laufschuhe und andererseits sportive Bequemschuhe für den Freizeitmarkt zu entwickeln und zu produzieren.“ Mittlerweile werden 20.000 Paare im Jahr in Düssin gefertigt und gelangen von hier aus in den Fachhandel. Das Netz weitet sich aus: Vor allem in den großen Metropolen sind Schuhe aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gelistet, die hinsichtlich ihrer Strapazierfähigkeit und ihrer hervorragenden Qualitäts-Einlegesohlen einen rasant wachsenden Kundenkreis gewonnen haben. Auch der individuell kombinierbare Look der Schuhe ist ein Merkmal, dass am Markt sehr gut ankommt. Ulf Lunge: „Wir haben die Revolutionsphase hinter uns gelassen und befinden uns jetzt in der Entwicklungsphase.“ Das Ziel für die Zukunft lautet daher: Die Fertigung und den Absatz in den kommenden Jahren zu verhundertfachen.

"Das Pendeln verdeutlicht mir immer wieder, wie wichtig es für mich ist, laufen zu gehen. Das ist ein echter Ausgleich, den ich dringend brauche! Die Erlebnisqualität in der Natur und das Abschalten – da geht nichts drüber."

Das klingt zielstrebig. Und das passt zu der bisherigen Unternehmensentwicklung: Kuhstall kaufen, renovieren, Schuhe fertigen, Schuhe verkaufen – dahinter stecken ein großer Plan und ein sehr großer persönlicher Einsatz. Alles in allem etwa 10 Millionen Euro haben die beiden Brüder bisher in den Unternehmenssitz in Düssin investiert. Tendenz wachsend. 30 Arbeitsplätze sind hier entstanden – alles Menschen aus der unmittelbaren Umgebung. 30 weitere Mitarbeiter arbeiten in den 4 Schuhläden. „Wir haben unser Unternehmen geteilt -  in die Fabrikation und die Läden“, so Ulf Lunge. Beide Unternehmen laufen unabhängig voneinander. Lars Lunge leitet die Läden und kümmert sich insgesamt um den Personalbereich, Ulf Lunge steuert die Bereiche IT, Marketing und Recht. Er ist dauerhaft an 4 Tagen in der Woche in Düssin vor Ort. Zwischen Hamburg und Südwestmecklenburg pendelt er. Ob ihm das Spaß macht? „Es ist auf jeden Fall besser, wenn der Chef pendelt, als wenn dies die Angestellten tun müssen“, sagt er und fügt nach einer Weile hinzu: „Das Pendeln verdeutlicht mir immer wieder, wie wichtig es für mich ist, laufen zu gehen. Das ist ein echter Ausgleich, den ich dringend brauche! Die Erlebnisqualität in der Natur und das Abschalten – da geht nichts drüber.“ Fünfmal pro Woche läuft er. Manchmal auch mit seinem Bruder gemeinsam. Seine Kinder laufen nicht. Sie haben eigene Hobbies und Vorhaben. „Jeder Mensch muss seinen eigenen Lebensmarathon laufen. Ich hätte nicht das machen wollen, was meine Eltern gemacht  haben. Und das gleiche gilt selbstverständlich auch für meine Kinder“, sagt Ulf Lunge, während er seinen Blick über die weite Landschaft, die den großzügigen Firmensitz umgibt, schweifen lässt. Bald – am 06. Und 07. Oktober – ist wieder einmal der jährlich stattfindende Tag der offenen Tür in der Fabrik. Mit Werksverkauf reduzierter B-Ware, Führungen und einem bunten Rahmenprogramm für groß, klein, alt und jung: „Wir haben die Veranstaltung dieses Jahr bewusst auf zwei Tage ausgedehnt – der Andrang war in der Vergangenheit für nur einen Tag beinahe zu groß.“ Es muss noch Einiges vorbereitet werden und man merkt Ulf Lunge an, dass er bereits in Gedanken jenen Event und die damit einhergehenden Eventualitäten Schritt für Schritt durchplant.

Der Plan für eine erfolgreiche Zukunft liegt längst vor

Wenn er sich etwas wünschen dürfte, was wäre das? Ulf Lunge lässt sich bei seiner Antwort Zeit: „Eine steuerliche Entlastung für kleinere und mittlere Produktionsbetriebe, um den Standort Deutschland deutlich zu stärken. Und natürlich: Beschwerdefreie Schuhe für Jedermanns Füße herstellen zu können.“ Und dann fügt er mit einem leichten Lächeln hinzu: „Aber, da sind wir auf einem guten Weg – das haben wir bereits fest eingeplant.“ Und da ist er wieder: Der Plan „made by LUNGE“, den es einfach nur umzusetzen gilt.

STECKBRIEF
  • 2 Unternehmen – 2 GmbHs

  • Lunge – der Laufladen, gegr. 1979

  • Derzeit 4 Läden: 3× Hamburg, 1× Berlin

  • Lunge Manufaktur seit 2007

  • Kauf der Immobilie Düssin: 2005

  • 30 Mitarbeiter in Düssin

  • 30 Mitarbeiter in den Läden

  • Fertigung derzeit: 20.000 Paar Schuhe pro Jahr


Geschäftsführer: Ulf Lunge, Lars Lunge | Schloßstr. 8a, 19273 Düssin

E-Mail: info@lunge.com | Telefon: +49 (0) 38848 - 221 221