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Jens Kolhaus – der mit den Kamelen lebt

Ausgabe 21

DATUM: 30.06.2018

Jens Kolhaus – der mit den Kamelen lebt

Er hatte schon immer den Blick für notwendige Veränderungen. Jens Kolhaus wächst als Kind in Schwerin heran, geht dort zur Schule, arbeitet zunächst im Zoo-Fachhandel. Dann erkennt er rechtzeitig vor anderen, dass diese Branche großen Risiken ausgesetzt sein wird: Supermarkt-Konzerne beginnen mehr und mehr damit Tierfutter und mehr in ihre Sortimente mit aufzunehmen. So wird die Fitness-Branche sein neues Zuhause: Er gründet, übernimmt und berät erfolgreich Fitness-Studios in Schwerin, Parchim und anderswo. Bis zu 13 Center gehören ihm und seiner Frau am Ende. Zahlreiche weitere vertrauen seiner Expertise, wenn es um Controlling, Marketing, Vertrieb und Personalführung geht. Doch erneut entschließt sich Jens  Kohlhaus für einen Neustart, weil immer mehr große Ketten auf den Markt drängen. Er sucht nach etwas, das frei von den Gefahren ist, durch die Großen vereinnahmt zu werden. Fündig wird er in Sternberg - unweit der alten Slawensiedlung Groß Raden. Dort im Urstromtal der Warnow erwirbt Kohlhaus eine alte Gaststätte mit ausreichend Land. Und er macht sein Hobby – die Aufzucht exotischer Nutz- und Wildtierrassen – zu seiner neuen Berufung. Er gründet den Kamelhof Sternberger Burg, organisiert Safaris und Wanderungen mit eben jenen außergewöhnlichen Tieren. Und er gewinnt die Herzen seiner Nachbarschaft. Sitz des Unternehmens: Sternberg im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Eines gleich vorweg: Zum Kamelhof Sternberger Burg kommt man nicht wirklich durch einen bloßen Zufall. Wer sich neben Kamelen auch Zebras, Strauße, Wölfe, Bisons, Lamas und, und, und in freier Natur ansehen möchte, der braucht ein Navi. Und Freunde oder Bekannte, die einem zuvor einen heißen Tipp gegeben haben. In etwa so: „Da gibt es Dinge, die bekommt man nirgendwo anders so zu sehen!“ Auch auf Facebook ist der Kamelhof sehr präsent – zumeist kümmert sich Jens Kohlhaus persönlich darum, die Location und ihre zahlreichen Bewohner zu inszenieren. Die sehr vielen sehr positiven Bewertungen und Empfehlungen sorgen dann neben den Lamas und Kamelen dafür, dass der Hof „brummt“.

Seit 2015 bildet dieser Ort das Zuhause der Familie Kohlhaus. Jens Kohlhaus wurde in Schwerin geboren und wuchs dort ebenso wie seine Frau auf. Auch später zog es die beiden nicht fort, sie wollten unbedingt in der Heimat bleiben. Jens Kohlhaus wurde zunächst Kaufmann und arbeitete im Zoo-Fachhandel. Die Arbeit mit Tieren machte ihm schon damals Spaß. Auch der Umgang, den er mit Menschen hatte, die Tiere artgerecht halten und lieben. Und er erkannte sogleich sein Talent und Gespür für diese Tätigkeit. Als aber Bau- und Supermärkte damit begannen, den Markt für Tierfutter und -zubehör für sich zu entdecken, sah Jens Kohlhaus Risiken auf die Branche zukommen. Er sah die Chance, sich zu verändern. Er wurde selbst Unternehmer.

»Was uns ausmacht, ist die für jeden spürbare Nähe. Sowohl die zwischen Mensch und Tier, als auch die Nähe, die wir zu unseren Besuchern haben. Davon lebt der Hof und wir als Familie.«

Gemeinsam mit seiner Frau eröffnete er – der immer schon sport- und bewegungsbegeistert war - ein Fitness-Studio in Schwerin. Der Laden lief gut. Sehr gut sogar. Und mit der Zeit wuchs das Unternehmen, das neben einer Fach- und Werbezeitschrift für Studios und deren Kunden auch Nahrungsergänzungsprodukte an die trainierenden Sportler vertrieb. Kohlhaus war gefragt und seine Meinung zählte. Als Mensch, ebenso wie als Unternehmer. Er begann, zusätzlich als Berater zu arbeiten. Wo immer Betreiber von Studios in Schwierigkeiten kamen, rückte Jens Kohlhaus an. Mit der Zeit wuchs dabei auch der Radius seiner Fahrten. Nebenbei nutze er selbst auch die vielfältigen Möglichkeiten, sich fortbilden zu lassen und dabei Dinge zu lernen, die er so noch nicht kannte, die ihn aber als Unternehmerpersönlichkeit reifen ließen. 13 Fitnessstudios gehörten letztendlich zum Unternehmen. Jedes mit einer eigenen Persönlichkeit, eigenen Zielgruppen und einer eigenen Philosophie. Es lief eigentlich alles rund – frühzeitig erkannte Kohlhaus „dunkle Wolken“ am Horizont. So wie einst im Zoofachhandel, rückten nun auch in „seiner“ Fitnessbranche die Großen den Kleinen auf die Pelle. Erst allmählich – dann immer deutlicher und enger. Kohlhaus und seine Frau entschieden sich dafür auszusteigen: „Du kannst gegen die Großen ankämpfen. Aber man trägt als Mittelständler eine sehr große Verantwortung und geht dabei ein immens hohes Risiko“, sagt Kohlhaus. Für seine Frau und ihn war die Sache nach reiflicher Überlegung schließlich klar. Kohlhaus: „Ein Ausstieg ist nur dann ein Problem, wenn danach nichts mehr kommt. Wir wussten aber, dass wir etwas finden würden, dass uns noch einmal mit dem Zauber von Investitionen, Aufbau und klarer Konzeptarbeit berühren würde.“

Im Jahr 2015 fielen dann die Würfel für Sternberg. Und für das damalige Konzept „Kamelhof“. Die Gaststätte „Sternberger Burg“ stand zum Verkauf. 30 Hektar Land kamen noch dazu. Ein Paket, dass der Schweriner sich nicht entgehen lassen wollte. Zunächst hatte er versucht, bei Lützow sein Projekt zu verwirklichen – auf lediglich 20 Hektar. Schlussendlich aber passten die Parameter in Sternberg perfekt und Familie Kohlhaus siedelte um – in eine der schönsten Regionen unseres Landkreises. Und mitsamt des bereits bestehenden Familien-Anhangs: Zebras, Kamele, Antilopen, Emus, Nandus, Stachelschweine und ein paar Kängurus traten gemeinsam mit der fünfköpfigen Kohlhaus- Familie den Umzug in die seenreiche Gegend an. Mittlerweile ist die Zahl der mitgebrachten Tiere stattlich angewachsen – etwa 300 sind es nunmehr. Und die Zahl soll und wird weiter wachsen. Ebenso die Zahl der Gäste. Waren es in 2017 knapp über 8.000 Besucher, so werden in diesem Jahr deutlich mehr erwartet. Kohlhaus setzt auf kontuierliche Steigerung. Und er sorgt stets für neue Anreize: „In diesem Jahr schaffen wir neue Übernachtungsmöglichkeiten – Auge in Auge mit wilden Tieren“, erzählt Kohlhaus. Wichtig sei, dass die Besucher mitbekommen, was alles entsteht. Schließlich seien sehr viele dabei, die regelmäßig kämen. Die dann in ihren Kreisen davon berichten, was auf dem Kamelhof grade entstehe. Empfehlungen seien das beste Marketing, findet Kohlhaus, den auf dem Hof alle Besucher und Mitarbeiter einfach nur „Jens“ rufen. „Mouth-to-Mouth“ nennen das die Werbefachleute – für „Jens“ ist es schlicht eine Selbstverständlichkeit: „Was uns ausmacht, ist die für jeden spürbare Nähe. Sowohl die zwischen Mensch und Tier, als auch die Nähe, die wir zu unseren Besuchern haben. Davon lebt der Hof und wir als Familie.“ Das Marketing ist daher Familiensache. Ebenso die Hof-Arbeit. Kohlhaus Kinder haben wie selbstverständlich kleine Aufgaben. Max, der älteste Sohn, übernimmt bereits ein paar mehr Aufgaben als sein jüngerer Bruder und die kleine Schwester. Er hat sehr großen Gefallen an den Tieren aber auch an der Betreuung von Besuchern gefunden. Folgerichtig hilft er immer wieder überall mit. Sein Vater „Jens“ ist begeistert: „Max hat ein sehr gutes Auge für alles. Und er ist sehr verantwortungsvoll. Klar bin ich da als Vater unheimlich stolz.“ Dennoch kann der Sohn selbst entscheiden, ob und wenn ja wann er in das Familien-Business mit einsteigen wird. Zwang und Druck gibt es nicht. Allerdings hat der Junior bereits angedeutet, dass er sich seine weitere Zukunft in Südwestmecklenburg sehr gut vorstellen kann.

Apropos Zukunft: Diese soll weiterhin vom Ausbau des Kamelhofes geprägt sein. Die Safaris und auch die Wanderungen mit den Tieren funktionieren sehr gut – und mehr als nebenbei wird hier auch erfolgreich gezielte Zucht betrieben. Für Tierparks und Zoos, Zirkusse und Menschen, die beispielsweise einen Nutzen aus der Wolle der Alpakas ziehen. Aber das, was Kohlhaus in nächster Zeit für den Kamelhof vorgesehen hat, ist durchaus als spektakulär zu bezeichnen. „Wir planen Themen-Dörfer aus unterschiedlichen Regionen dieser Welt. Jedes Dorf beinhaltet eine eigene Tierwelt und einen individuellen, regionaltypischen Baustil. Unsere Besucher werden Türen öffnen, hinter denen es spannend und lehrreich zugleich zugehen wird“, schwärmt Jens Kohlhaus. Geplant, getan – könnte man meinen. Und ein Teil dessen, was entstehen wird, ist schon erkennbar. So gibt es bereits eine einstöckige Bebauung, in der Schulklassen nächtigen können – mitten in einem künftigen Tiergehege. Mit großen Scheiben aus bruchsicherem Panzerglas. Die Tiere schauen zum Abend rein. Später soll dieser Bau noch wachsen. Und das Prinzip der Transparenz zwischen Mensch und Tier wird ein fester Bestandteil der neuen Dörfer werden. „Gemeinsam schlafen gehen mit exotischen Tieren in der Wildnis erhöht das Verständnis, das wir Menschen den Tieren schuldig sind. Insbesondere für Kinder aus der Stadt ein einmaliges Erlebnis“, findet Kohlhaus.

Gerade ist eine Klasse aus Schwerin zu Gast. Auf der Terrasse vor dem Essensraum spaziert ein Pfau. Die Kinder stehen ehrfürchtig vor dem stolzen Tier und bewundern seine Federn. Dahinter warten die Füchse darauf, besucht und bespielt zu werden. Jens Kohlhaus: „Wo gibt es etwas Vergleichbares?“ Die Tiere, die es auf dem Kamelhof zu bewundern gibt, sind alle mit Menschen aufgewachsen. Sie sind es gewöhnt, dass sie bestaunt, beguckt, gestreichelt und auch geritten werden. Wer beispielsweise noch nie auf einem Wasserbüffel saß, der kann dies in Sternberg nachholen.

Wie haben die damals neuen Nachbarn darauf reagiert, dass plötzlich Antilopen. und Lamas die Wiesen bevölkerten und Wisente den Horizont befüllen? „Teils, teils“, lacht Jens Kohlhaus, „am Anfang waren die meisten ungläubig und vielleicht auch etwas skeptisch. Mittlerweile aber sind die meisten hier sehr stolz auf unsere Tiere.“ Während wir Jens Kohlhaus dabei begleiten, eine Schulklasse, die mit ein paar Lamas und Alpakas eine Wanderung in die Slawenburg Groß Raden unternommen hat, mit Mittagessen zu versorgen, stellen wir fest, wie harmonisch das Miteinander funktioniert. Kaum ein Vorgarten aus dem nicht fröhlich gewunken und ein „Hallo“ zugerufen wird, während der „Jens“ mit seinem großen Dodge über die Landstraße rollt. „Für die meisten war es bereits nach kurzer Zeit ein echter Zugewinn: Wir haben viele Gäste, die wir zu unseren Nachbarn schicken, wenn es darum geht, weitere touristische Erlebnisse zu genießen. Und die schicken uns ihre Gäste – das Ganze ist ein echtes Win-Win-Szenario“, sagt Jens Kohlhaus. Und während er noch darüber nachdenkt, etwas hinzuzufügen, grüßt bereits der nächste Anwohner. So ist das im „Wilden Sternberger Land“.

© Bilder: Kamelhof Sternberger Burg

STECKBRIEF
  • Über 300 Tiere auf 30 ha

  • Naturerlebnisse mit Anfass-Charakter: Safaris und Wanderungen

  • Ideales Ziel für Klassen- und Gruppenfahrten, Wochenend- bzw. Feriencamps und Familienreisen


Kamelhof Sternberger Burg | Dorfstraße 01, 19406 Sternberger Burg | Jens und Sandra Kohlhaus

Tel: +49 3847 / 31 10 71 E-Mail: service@kamelhof-sternbergerburg.de | www.kamelhof-sternbergerburg.de