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Auf einen Kaffee mit: Herbert Dindas

Ausgabe 8

In Groß Niendorf besuchten wir Herbert Dindas, der sich ab September jeden Jahres seinen Bart wachsen lässt und dann als Weihnachtsmann am Heiligabend die Menschen seines Dorfes besucht und mit Schokoladenweihnachtsmännern beschert. Seit mindestens 11 Jahren macht er das schon so. In seinem Dorf kennt ihn natürlich Jeder. Damit Sie ihn auch kennen lernen, haben wir ein Interview mit ihm geführt. Eine der wichtigsten Fragen lautete natürlich: Wird es an Weihnachten Schnee geben? Wir wünschen Ihnen wie immer eine spannende Lese-Unterhaltung und ein erholsames Wochenende.

WiFöG: Herr Dindas, Sie wohnen nicht am Nordpol, haben keinen großen Schlitten vor dem Haus stehen. Auch Rentiere sucht man hier vergebens … Dennoch kennt Sie nahezu jeder zwischen Mestlin, Crivitz und Demen als den Weihnachtsmann von Groß Niendorf. Haben Sie den Schlitten und die Rentiere versteckt?

Dindas: (lacht) Nein, hätte ich Rentiere, würde ich sie nicht verstecken. Einen Schlitten habe ich natürlich, aber keinen, auf dem ich gezogen werde. Hier zieht der Weihnachtsmann den Schlitten noch selbst.

WiFöG: Wie lange sind Sie schon der Weihnachtsmann?

Dindas: Vor 11 Jahren habe ich damit begonnen. Damals aber noch ein wenig spontaner und ohne größere Vorbereitungen. Also, ein wenig anders als heute.

WiFöG: Wie kam es dazu? Hatten Sie vorher schon einmal darüber nachgedacht, Weihnachtsmann sein zu wollen? Oder war das eher eine Bauchentscheidung?

Dindas: (lacht) Bei mir könnte man sicherlich davon ausgehen, dass es eine Bauchentscheidung war. Aber mal im Ernst: Ich habe das vor mindestens 11 Jahren sehr spontan entschieden. Ich selbst wusste schon ein paar Tage lang, dass ich an jenem Heiligabend allein zuhause sein würde. Da kam mir die Idee, mich bei möglichst vielen hier im Dorf als Weihnachtsmann selbst einzuladen. Ich wollte Freude schenken und selbst Freude geschenkt bekommen. Also bin ich einkaufen gefahren, hab mich verkleidet und dann ging das los.

WiFöG: Wie kam das an bei Ihren Nachbarn hier im Dorf?

Dindas: Hervorragend. An jeder Tür wurde ich hereingebeten. Die Kinder, dort, wo welche waren, sagten mir ein Gedicht auf oder sangen mir etwas vor, und dann gab es einen kleinen Schokoladenweihnachtsmann zur Belohnung.

WiFöG: Vermutlich hat man Sie dann schon im folgenden Jahr sehnsüchtig erwartet …Dindas: Ja, das begann dann aber bereits im Sommer. Da fragten die ersten – vor allem die Eltern – ob ich wieder als Weihnachtsmann an Heiligabend komme.

WiFöG: Geben die Menschen Ihnen Geld, dafür dass Sie als Weihnachtsmann kommen?

Dindas: Nein, der Weihnachtsmann bekommt kein Geld. Der spart das ganze Jahr drauf und besorgt seine Gaben rechtzeitig. In den ersten beiden Jahren wollten mir ein paar meiner Nachbarn etwas zustecken. Das habe ich Ihnen aber schön ausgeredet. Mein Lohn ist die Freude der Menschen, die ich besuche. Das ungläubige Staunen in den Augen der Kinder. Und mittlerweile die gute Tradition hier im Dorf und in den Siedlungen, die dazu gehören. Manche, die ich am Heiligabend besuche, bieten mir selbstgebackene Kekse oder Kuchen an.

WiFöG: Sagen Sie da auch „NEIN“?

Dindas: (lacht) Nun, da bin ich nicht ganz so konsequent. Ab und zu, wenn der kleine Hunger durchkommt, nehme ich einen Keks an. Auch ein heißes Getränk, wenn es draußen kalt ist. So ein ganzer Tag draußen – das zehrt auch.

WiFöG: Wann beginnt der Weihnachtsmann sein Tagwerk in Groß Niendorf?

Dindas: Sehr früh. Ich stehe wirklich früh auf, mache mir einen Kaffee und beginne mich vorzubereiten. Und dann geht es auch schon los auf Tour.

WiFöG: Bei jedem Wetter? Gab es auch schon mal einen Heiligabend, an dem Sie dachten: Heute bleibe ich lieber zuhause?

Dindas: Nein, eigentlich nicht. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass es mal so gewesen sei.

WiFöG: Mal eine ganz andere Frage: Die meisten Weihnachtsmänner, die man so auf den Weihnachtsmärkten und in Kaufhäusern sieht, tragen einen künstlichen Bart. Ihrer sieht hingegen echt aus. Täuscht dieser Eindruck?

Dindas: Nein, der Bart ist echt. Im ersten Jahr hatte ich einen künstlichen Bart um. Da gab es einen kleinen Jungen, der mir, als ich mich zu ihm runterbeugte, den Bart abzog … Da habe ich ziemlich blöd geguckt. (lacht) Ich dachte mir: Wart’s ab, Junge – im nächsten Jahr trickse ich Dich aus. Seitdem beginne ich immer im September damit, meinen Bart wachsen zu lassen. Am 24. Dezember ist er dann genau richtig.

»Ich stehe wirklich früh auf, mache mir einen Kaffee und beginne mich vorzubereiten. Und dann geht es auch schon los auf Tour.«

WiFöG: Und der kleine Junge damals …?

Dindas: Der hat vielleicht Augen gemacht. Der hat es natürlich wieder probiert. Danach glaubte er wieder an den Weihnachtsmann. (lacht)

WiFöG: Und jetzt haben Sie seit einiger Zeit Verstärkung an Ihrer Seite. Es gibtnoch einen Engel, der Sie am Heiligabend begleitet?

Dindas: Ja. Aber nur am Heiligabend. (lacht) Seit sechs Jahren begleitet sie mich schon. Sie ist eine echte Stütze und hilft mir auch bei der Vorbereitung. Das entlastet mich bei meiner Arbeit. Als Weihnachtsmann hat man es nicht immer nur leicht … (lacht)

WiFöG: Wer zieht den Schlitten?

Dindas: Jeder von uns.

WiFöG: Und falls kein Schnee liegt?

Dindas: Dann gibt es einen größeren Bollerwagen. Das geht auch.

WiFöG: Eigentlich ist das ja unsere wichtigste Frage an Sie: Wird es weiße Weihnachten geben?

Dindas: Oha. Das kann ich gar nicht entscheiden. Schön wäre es. Aber, mein Gefühl im Bart sagt mir: Wir haben eine Chance. Eine kleine … (lacht)

WiFöG: Gibt es hier Menschen, die Sie nicht freudig erwarten?

Dindas: Nein. Also nicht, dass ich davon wüsste. Nein, jeder freut sich. Wir leben hier auf dem Dorf. Wenn jemand sich mal aussprechen möchte, dann geschieht das auch. Aber nicht am 24. Dezember.

WiFöG: Sie sagten, Ihr Tagwerk beginne morgens früh um 9 Uhr. Wann ist der Weihnachtsmann fertig mit seiner Tour?

Dindas: Abends spät. So ganz genau kann ich das gar nicht sagen. Auf jeden Fall wenn es schon sehr, sehr dunkel ist.

WiFöG: Und dann? Was macht der Weihnachtsmann dann?

Dindas: Dann geht er ins Bett. Manchmal rasiert er sich noch. Wenn ihm danach ist. Meistens aber geht der Bart noch einmal mit ins Bett. (lacht) Dann muss er am ersten Weihnachtstag dran glauben …

WiFöG: Glauben Sie selbst noch an den Weihnachtsmann?

Dindas: (lacht) Gute Frage. Klare Antwort: Seitdem ich das in Groß Niendorf mache, glaube ich ganz fest daran.

WiFöG: Das glauben wir wiederum nur allzu gern. Unsere letzte Frage lautet: Was wünscht sich der Weihnachtsmann zu Weihnachten?

Dindas: Oh, das ist ganz einfach zu beantworten: Einen schönen Abend. Glückliche Menschen, staunende Kinder, Kerzenschein, besinnliche Momente, Frieden. Mehr nicht. Ich finde: Das ist schon sehr viel wert!

WiFöG: Lieber Weihnachtsmann, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch und wünschen Ihnen, Ihrem Engel und den Menschen in Groß Niendorf, sowie allen unseren Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch!


STECKBRIEF
  • erfüllt Wünsche

23.12.2017