Background Image

Die Geschichte vom wahren Pioniergeist

Ausgabe 9

Carsten Greve verbringt seine Kindheit und Jugend im niedersächsischen Soltau. Relativ früh beginnt er mit dem Mountain-Bike-Sport, der ihn fasziniert und ihn bis in die deutsche Elite dieser noch jungen Sportart katapultiert. Ehrgeiz, Fleiß, Disziplin und Zielstrebigkeit zeichnen ihn aus. Dennoch erkennt er Mitte der 90er Jahre, dass ihm einige wenige Prozente fehlen, um ganz oben zu stehen. Er entschließt sich, sein Studium der Elektrotechnik mit Hochdruck zum Abschluss zu bringen und entscheidet sich für einen Karrierestart in der „neuform Vereinigung Deutscher Reformhäuser e. G.“ und gegen eine Laufbahn in der Entwicklungsabteilung eines großen deutschen Automobilherstellers. Ein Schritt mit Folgen. Heute ist Carsten Greve Vorstand bei REFORMHAUS und Geschäftsführer bei REFORMKONTOR, der REFORMHAUS-Produktionstochter. Sitz des Unternehmens: Zarrentin am Schalsee im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Wir schreiben das Jahr 1996. Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnt zum dritten und vorerst letzten Mal eine Fußball-Europameisterschaft, die Deutsche Telekom wagt den Sprung an die Börse und die britische Boygroup Take That gibt bekannt, sich aufzulösen. In diesem Jahr trifft ein junger Student in Niedersachen eine gewichtige Entscheidung, die für ihn selbst aber auch für viele andere Menschen eine große Bedeutung hat. Carsten Greve hat sein Studium der Elektrotechnik drei Jahre zuvor in Braunschweig begonnen. Fasziniert von der Vorstellung, Produktionsabläufe und –prozesse zu optimieren, hatte sich der junge Soltauer nach dem Abitur und einer Ausbildung für diesen Studiengang entschieden und sich mit der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel einen Studienort nicht allzu weit von der Heimat ausgesucht. Schon in seiner Jugend hatte er sich für den Radsport begeistert – vor allem für den Mountain-Bike-Sport. Neben seinem Studium gelingt es ihm, sich für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren. Er findet Sponsoren, die ihn unterstützen. Und er gewinnt Preisgelder. Seine beste Platzierung bei einer Deutschen Meisterschaft: Platz 16. Was für die meisten einen großen Erfolg bedeuten würde, sorgt dafür, dass Carsten Greve damit beginnt, seine Zukunft außerhalb des Radsports zu planen. „Mir war damals klar, dass ich es sportlich und altersmäßig nicht bis ganz nach oben schaffen würde, also konzentrierte ich mich noch stärker auf mein Studium. Ich wollte den nächsten Schritt machen“, so Carsten Greve.

Zum Ende seines Studiums beginnt für ihn die Zeit der Praxiserfahrungen. Durch einige Zufälle ergattert er sich einen attraktiven Studentenjob im Nordosten. Kurz zuvor hatte die REFORMHAUS-Gruppe, eine große und traditionsreiche Genossenschaftsmarke mit ca. 1.300Laden-Geschäften in Deutschland und Österreich ihren Produktionsstandort von Hamburg nach Zarrentin am Schalsee verlegt. Greve: „Man suchte damals einen Studenten, der die Produktionsabläufe am neuen Standort strukturiert und entwickelt. Ich bewarb mich drauf und hatte Glück.“ Vor Ort begann er damit, sowohl das Unternehmen als auch die Marke REFORMHAUS für sich unter die Lupe zu nehmen. Aus seiner Kindheit war sie ihm durchaus vertraut: „Meine Mutter kaufte immer wieder bestimmte Produkte im REFORMHAUS bei uns in Soltau. An Klassiker wie das Studentenfutter hatte ich daher eine sehr gute Erinnerung.“ In Zarrentin fühlt sich Carsten Greve von Anfang an wohl. Er schätzt die Umgebung, die Nähe zu Hamburg inmitten des ländlichen Raumes. Und er schätzt die Menschen, die hier arbeiten. All dies führt dazu, dass sich Carsten Greve entgegen seiner eigentlichen Idee, eine hoffnungsvolle Karriere in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Volkswagen in Wolfsburg zu starten, entschließt, seine Bewerbungsunterlagen nach Zarrentin zu schicken. „Mir war bekannt, dass der Betriebsleiter nach drei Jahren in den Ruhestand gehen würde,
daher bewarb ich mich einfach auf genau diese Position, mit dem Hinweis, ich hätte dann ausreichend Zeit, mich auf diese Herausforderung vorzubereiten. Das war wahrscheinlich schon ziemlich mutig damals“, sagt Greve mit einem Schmunzeln. Für ihn war es in jedem Fall die Initialzündung zum Durchstarten. Er bekommt den Job und bricht seine Zelte in Niedersachsen ab.

Wir schreiben jetzt das Jahr 1998 – Carsten Greve startet in Zarrentin das, was andere wohl zu Recht als „Bilderbuchkarriere“ bezeichnen würden. Drei Jahre zuvor hatte der Zufall wie so manchmal im Leben dazu geführt, dass REFORMHAUS ausgerechnet die malerische kleine Gemeinde am Schalsee auswählte, um hier einen neuen Produktionsstandort zu errichten. Seit 1954 hatte die Genossenschaft in Hamburg eine Filiale betrieben, in der Waren und Artikel aus aller Herren Länder für die Reformhäuser aufbereitet und abgefüllt wurden. Mit den Jahren war der alte Standort im Westen Hamburgs jedoch zu klein geworden. Anfang der 90er begann man, sich nach einer Alternative umzusehen. Hamburg – vor allem eine Lösung in Nähe des Hamburger Hafens – befand sich im Fokus der Suche.

»Man suchte damals einen Studenten, der die Produktionsabläufe am neuen Standort strukturiert und entwickelt. Ich bewarb mich drauf und hatte Glück.«

1995 entschied dann schließlich der Hunger zweier REFORMHAUS-Vorstände über die Zukunft des Standortes. Beide hatten ein gemeinsames Meeting in Berlin gehabt und befanden sich auf dem Rückweg nach Hamburg, als sie kurz vor der Ausfahrt Zarrentin der Hunger überfiel. Beide beschlossen am Schalsee ein Restaurant für die Mittagspause zu suchen. So passierten sie das Gewerbegebiet und sahen dabei dort ein großes Hinweisschild, das Gewerbeflächen anbot. Was die beiden damals im Restaurant als Mittagessen zu sich nahmen ist nicht weiter überliefert. Wohl aber, begannen sie fieberhaft und begeistert gleich an Ort und Stelle eine Planungskette anzustoßen anzustoßen, die im Folgejahr die Eröffnung des
neuen Standortes zur Folge hatte. REFORMKONTOR war eine der ersten erfolgreichen Neu-Ansiedlungen im damaligen Alt-Landkreis Ludwigslust, der bis heute viele weitere folgen sollten. Ein wichtiger Anfang war gemacht, der zur positiven Entwicklung innerhalb der Region einen wesentlichen Beitrag lieferte.

Carsten Greve liebäugelte auch zunächst mit dem Gedanken, in Zarrentin privat sesshaft zu werden. Die Tatsache aber, dass er perspektivisch neben seinen Aufgaben am Schalsee auch regelmäßig in Hamburg, wo noch heute u. a. die Marketingabteilung ansässig ist, gebraucht wurde, führte dazu, dass er schließlich gemeinsam mit seiner Frau in Trittau im Landkreis Stormarn heimisch wurde. Er begann damit, als Betriebsleiter innovative Produktionsprozesse zu implementieren
und so den Standort auf- und auszubauen. 102 Mitarbeiter sorgen in unmittelbarer Nähe zur früheren Ost-West-Grenze dafür, dass in puncto Qualität und Leistungskraft seit vielen Jahren immer wieder Standards gesetzt werden, die auch dazu geführt haben, dass REFORMKONTOR neben der Versorgung der eigenen Laden-Geschäfte, die Auftragsproduktion für andere Unternehmen abwickelt. Carsten Greve machte indes weiter Karriere: zunächst wurde er Prokurist der REFORMKONTOR – im Jahr 2008 schließlich Geschäftsführer und Vorstand bei REFORMHAUS. Dafür machte er neben seiner Arbeit noch einen Abschluss als Betriebswirt. Ob man als Vorstand auch privat ausschließlich Produkte aus dem eigenen Sortiment vorrätig hat, möchten wir wissen. Carsten Greve überlegt: „Nein. Nicht grundsätzlich. Es gibt bei uns zuhause so manches aus dem REFORMHAUS-Sortiment: Studentenfutter und die Rabenhorst-Säfte beispielsweise. Und seit einiger Zeit auch Manuka-Honig. Dies ist ein ganz besonderes Health-Produkt aus Neuseeland, das, innerlich und äußerlich angewendet, die Beschwerden bei zahlreichen Erkältungskrankheiten aber auch bei Hautproblemen zu lindern hilft.“ Insgesamt aber habe ihn seine Tätigkeit im Bereich der Lebensmittel- und Nahrungsindustrie wachsamer werden lassen für die Ernährungsthematik. Greve: „Es ist die Beschäftigung mit der Frage, was wir zu uns nehmen. Woher stammt unsere Nahrung? Regionale Produkte finde ich beispielsweise immer reizvoller. Was ist da drin? Und wie wurde es zusammengestellt und verarbeitet? Es muss bei uns zuhause nicht alles zwangsläufig REFORMHAUS sein – aber unsere Produkte sind eine sehr gute Wahl.“

Die etwa halbstündigen Fahrten zwischen seinem Zuhause und seinem Arbeitsplatz nutzt der zweifache Familienvater bereits seit Jahren dafür, sich morgens auf die aktuelle Tagesplanung vorzubereiten und abends abzuschalten und mit dem Arbeitsalltag abzuschließen, um so den familiären Teil des Tages besser für sich nutzen zu können. Das tägliche Pendeln hat für ihn daher einen konkreten Nutzen: „Ich habe gelernt, dass für mich diese Zeit unterwegs eigentlich ein Segen ist. Ich komme zuerst runter. Dann komme ich an. Gerade in Zeiten, in denen im Beruf mehr als sonst passiert, habe ich dies als Vorteil schätzen gelernt.“ Auch für seine Mitarbeiter sucht Carsten Greve stets nach Optimierungen: „Die meisten kommen
aus der unmittelbaren Umgebung. Viele haben Familie. Als Unternehmer habe ich schon vor Jahren erkannt, dass es wichtig ist, diese Aspekte ernst zu nehmen.“ Das Unternehmen wurde als familienfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert und auch beim landesweiten Unternehmerpreis ausgezeichnet. Eine Vielzahl von Maßnahmen sorgt dafür, dass Angestellte der REFORMKONTOR die Vereinbarkeit von Privat- und Erwerbsleben direkt zu spüren bekommen. Carsten Greve überzeugt: „Wir setzen diese Auszeichnungen auch ein, wenn wir aufgrund unseres Wachstums nach neuen Beschäftigten suchen.“ Ganz konkret sogar wieder sehr bald: Denn im laufenden Jahr 2018 arbeitet man an einem neuen Verwaltungstrakt in Zarrentin. Dann entstehen hier 20 weitere Arbeitsplätze bei REFORMKONTOR.

Wahrer Pioniergeist eben.


STECKBRIEF
  • REFORMHAUS e. G.: über 1300 Ladengeschäfte in Deutschland und Österreich

  • REFORMKONTOR: Herstellung des Produktsortiments mit 102 Mitarbeitern


Geschäftsführer/Vorstand: Carsten Greve Ernst-Litfaß-Str. 16 | 19246 Zarrentin

E-Mail: info@reformkontor.de | Telefon: +49 (0)388 51 51-0 www.reformkontor.de | www.reformhaus.de

13.01.2018