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Mehr als nur eine reine Familiensache!

Ausgabe 17

Solange Manuel Wendt zurückdenken kann, spielten Wohnwagen, Wohnmobile und zigtausend Menschen mit einem großen Traum eine gewichtige Rolle in seinem Leben. Verantwortlich dafür waren seine Eltern. Gleich zu Beginn der Wendejahre und noch vor Besiegelung der Wiedervereinigung hatten diese nämlich die Vision, zunächst mit dem Verkauf und Jahre später auch dem Verleih von Wohnwagen den Sprung ins „kalte Wasser“ zu wagen. Vater Matthias war bereits zuvor selbstständig und kannte daher die damit verbundenen Risiken. In Grabow starteten die Wendts ganz klein – mit einem gebrauchten Wohnwagen aus dem Westen, bald schon kamen zwei weitere dazu. Das Unternehmen wuchs rasch – ebenso der mittlerweile geborene Sohn Manuel, der heute mit 28 Jahren die Geschicke des Familienbetriebes leitet. Heute sind die Wendts Norddeutschlands größter Fachhändler nebst Servicestellen für Wartung und Reperatur für Wohnwagen und Wohnmobile. Und: Caravan-Wendt ist der größte Familienbetrieb seiner Art in ganz Deutschland. Sitz des Unternehmens: Kremmin bei Grabow im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Wer zufällig die kleine Ortschaft Kremmin im Landkreis Ludwigslust-Parchim passiert, dem fällt sofort ins Auge, dass hier – direkt an der B5 – ein ganz besonderes Unternehmen seinen Sitz hat. Wohnmobile und Wohnwagen verschiedenster Hersteller und aller Größen stehen auf einem ca. 3 ha großen Areal. Es glänzt, blinkt und blitzt in der Sonne. Vorherrschend erscheint das weitverbreitete Weiß, doch auch andere Farbtöne treten in dieser riesengroßen Kolonie aus Urlaubsträumen hervor. Ausreichend Parkmöglichkeiten für Besucher und Kunden sind vorhanden – außer, wenn, wie wir später im Gespräch erfahren, im Frühjahr und Herbst die Hausmessen anstehen und tausende Gäste aus Nah und Fern kommen und das gesamte Betriebsgelände samt Wohnfahrzeugen für ein komplettes Wochenende in Beschlag nehmen, um von Touren und der großen Freiheit zu träumen.

Manuel Wendt, den erst 28-jährigen Chef, trifft man in der Regel in der mehr als außergewöhnlich gestalteten Ausstellungshalle. Die Ausstellungshalle ist ein Ort, an dem man schon beim Eintreten voll und ganz das Urlaubsgefühl bekommt. Großzügige Oberlichter erhellen den hohen Raum und bei Sonnenschein ist es beinahe so, wie auf einem Campingplatz – irgendwo in Südeuropa. Das gehört zur Philosophie bei den Wendts. Ebenso die Tatsache, dass hier bewusst nur drei vollaufgebaute Wohnmobile stehen. Dazu gibt es eine großzügig bemessene Caféteria mit kleinem Bistro. Wer möchte, der kann es sich hier sehr gut gehen lassen und ein wenig entschleunigen. Und damit das auch gelingen kann, arbeiten hier bei den Wendts 85 Frauen und Männer – viele sind schon lange für den Familienbetrieb tätig. Manuel Wendt kennt sie alle. Sie gehören quasi auch mit zur Familie. Innerhalb des Unternehmens duzt man sich.

»Es ist so schön hier. Da werden wir sehr oft gefragt, was es in der Umgebunag alles zu entdecken gibt. Die Menschen nehmen zumeist sehr viel mit, wenn sie uns wieder verlassen.«

Auf den ersten Blick wirkt der junge „Herr Wendt“ wirklich jung. Er trägt Jeans und T-Shirt anstatt eines Anzugs. „So fühle ich mich oftmals sehr viel wohler“, Manuel Wendt lächelt, „dennoch gibt es immer wieder Termine, zu denen der Anzug gehört. Und dann trage ich den auch gern.“ Mit seinen 28 Jahren verfügt der Südwestmecklenburger über einen gewaltigen Erfahrungsschatz im Tourismusbereich. Seine Sporen hat er sich jedoch nicht hier in Kremmin verdient: Fernab der Heimat in  Baden-Württemberg – bei einem der großen Herstellerfirmen für Caravans und Wohnmobile absolvierte der Familienvater und Hobby-Gitarrist ein duales Studium sammelte so wichtige Erfahrungen in der Welt des individuell erlebbaren  Tourismusmarktes. Ob er selbst ausschließlich mit Wohnanhänger oder Wohnmobil verreise, wollen wir von ihm erfahren. Nein, sagt er, das gelte im übrigen auch nicht für den Großteil seiner Kunden. Die meisten nutzen ihr Reisemobil für besondere Strecken und außergewöhnliche Orte. Er selbst jedenfalls wisse den Komfort eines guten Hotels und auch den Reiz eines Ferienhauses sehr zu schätzen. Aber, er kennt und liebt es eben viel mehr, zu campen bzw. auf der Straße, Orte und Destinationen zu entdecken. „Als Kind war ich sehr oft mit meinen Eltern und meiner Schwester im Campingurlaub – das prägt bestimmt.“

Zurück zur Kindheit von Manuel Wendt: Als seine Eltern starten zu expandieren, ist Manuel Wendt ein ganz kleiner Junge. So wie andere Kinder – insbesondere Jungs – gern mit Spielzeugautos spielen, so vergnügt sich der Junior halt in und zwischen den immer zahlreicher werdenden mobilen Reiseträumen, die sich am mittlerweile neuen Standort in Kremmin ansammeln. „Ich habe hier oft verstecken gespielt“, sagt er. Nachdem das Unternehmen zunächst auf einer kleinen freien Fläche in Grabow gestartet war, musste man bereits ein Jahr später umziehen. Zu schnell konnte der Standort nicht mehr mit dem Firmenwachstum mithalten. „Mein Vater war schon immer ein Mensch mit Visionen – damals hatte er den absolut richtigen Riecher“, Manuel Wendt blickt voller Stolz, wenn er über das Werk seiner Eltern spricht. Matthias Wendt, der Firmengründer, wollte eigentlich vor allem in der Region bleiben und finanzielle Sicherheiten schaffen. Ein paar Jahre später konnte seine Frau Christiane-Maria in die Firma voll mit einsteigen. Der stetig wachsende Erfolg der Eltern hatte aber auch seinen Preis: „Meine beiden Eltern mussten immer vollen Einsatz bringen. Unter der Woche und an vielen Wochenenden. Wenn ich als Kind meine Eltern sehen wollte, dann bedeutete das eben, hier zu sein.“ Ein Schicksal, das Manuel Wendt mit den Kindern erfolgreicher Vollblut-Unternehmereltern teilt. Und: Schlimm war das nicht, schließlich gab es immer wieder Neues zu entdecken auf dem sich stetig erweiternden Betriebsgelände. Wendt: „Wir wuchsen Jahr für Jahr - Stück für Stück. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es irgendwann einmal ein oder gar zwei Jahre ohne irgendeine Form der Erweiterung gegeben hat.“ Im letzten Jahr schuf die Firma beispielsweise 10 neue Arbeitsplätze. Alles, um die Kunden noch glücklicher machen zu können. „Wir leisten hier bei uns den vollen Rundum-Service. Verkaufen, Vermieten, Reparatur und Wartung – alles auf eine ganz persönliche Art und Weise“, sagt Manuel Wendt wie selbstverständlich. Und woher kommen die Kunden, die sich die über 500 Vorführfahrzeuge vor Ort anschauen? „Von Kiel bis Frankfurt/Oder, aus Berlin, Hamburg, Lübeck und Rostock!“ Beeindruckend, wenn man sich das auf der Zunge zergehen lässt. Ein Ort namens Kremmin, den wohl selbst gebürtige Südwestmecklenburger nicht problemlos auf einer Karte einzusortieren verstehen, hat eine stetig wachsende Fangemeinde, die immer wieder gern vorbei kommt. Und die im Falle von Wartezeiten bei Reparaturen oder Wartungsarbeiten gern mal vom jungen Firmenchef mit Leih-PKW ausgestattet werden, um die umliegende Region zu entdecken. Wendt: „Es ist so schön hier. Da werden wir sehr oft gefragt, was es in der Umgebung alles zu entdecken gibt. Die Menschen nehmen zumeist sehr viel mit, wenn sie uns wieder verlassen.“

Lastet da nicht ein großer Druck auf den Schultern, wenn man weiß, dass 85 Mitarbeiter darauf angewiesen sind, dass man mit 28 Jahren die richtigen Entscheidungen trifft, wollen wir wissen. Klar, sagt Manuel Wendt, das sei so. Aber schließlich hätte er ja in Süddeutschland bleiben können. Das mit der Verantwortung sei jedenfalls nichts, dass ihn daran hindere, glücklich zu sein, schließlich habe er nicht zuletzt bei seinen beiden Eltern miterlebt, wie man mit Verantwortung umzugehen habe.

Das Thema „Nachfolgeregelung“ ist dabei ein Thema, das den gesamten Deutschen Mittelstand sehr beschäftigt. Nicht nur hier bei uns, sondern deutschlandweit stehen zahlreiche Unternehmen vor der Mission, geeignete Nachfolger in der  Unternehmensführung zu implementieren. Auf dem Spiel stehen dabei vor allem Existenzen: die der Unternehmer selbst und auch die der Arbeitnehmer. Nicht überall läuft es dabei so rund wie im Falle des Kremminer Familienbetriebes, wo innerhalb der eigenen Familie die Nachfolge einfach so geregelt werden konnte. Bei Caravan-Wendt ließ sich die Verantwortung innerhalb der Familie von Generation auf Generation weitergeben.

Ein Blick von der Außenterasse der Caféteria lässt noch einmal dezidiert die Größe der Verantwortung spüren, die hier auf den Schultern jenes jungen Mannes liegt. Früher hat er sehr viel und sehr gern Gitarre gespielt. Dafür reicht die Zeit meistens leider nicht mehr, wie er gesteht. Und sonst? Was hat ein 28-jähriger Mittelstands-Unternehmer, der 85 Mitarbeiter zu versorgen hat, für Hobbies? Die Antwortet überrascht: „Ich programmiere!“ Eine Software beispielsweise hat Manuel Wendt bereits vor Jahren entwickelt, die sich im Verkauf einsetzen lässt. Davon hat er im übrigen schon mehrere Lizenzen erfolgreich am Markt verkaufen können, sodass er seinen Lebensunterhalt wohl auch allein davon bestreiten könnte, wenn er es denn wollte. Außerdem ist er sehr an Marketingthemen interessiert. Aber, und das sagt er mit sehr großer Betonung: Das Wichtigste für ihn ist die Familie. Und damit meint der „junge Herr“ Wendt sowohl seine Eltern und seine Schwester, die ebenfalls in Süddeutschland auf Caravan-Hersteller-Seite arbeitet – als auch vor allem seine Frau und die beiden kleinen Kinder. Ob sie eines Tages mal den Familienbetrieb fortführen werden? Manuel Wendt zuckt mit den Schultern: „Das kann heutzutage doch niemand voraus sagen. Ich wünsche mir vielmehr, dass meine Kinder eines Tages das tun können, was sie erfüllt und glücklich macht. Wenn es die Caravans sein sollten: bitte – da liegen keine Steine auf dem Weg.“

Alles kann. Nichts muss. So entspannt kann es sein. Wenn alles eben reine Familiensache ist.

© Bilder: Caravan-Wendt


STECKBRIEF
  • Norddeutschlands größter Fachhändler für Wohnmobile und Wohnwagen

  • Gegründet 1990 (vor der Wiedervereinigung)

  • 85 Mitarbeiter

  • Verkauf: Neu- und Gebrauchtfahrzeuge

  • Vermietung, Reparatur und Wartung

  • Marken u.a.: Dethleffs, Fendt, Hobby, Hymer, Concorde, Hymercar, Pössl, Niesmann-Bischoff, Roadcar


Caravan-Wendt | Rosenstraße 2b · 19300 Kremmin | Geschäftsführer: Manuel Wendt

Tel: +49 38756 / 378-0 | E-Mail: info@caravan-wendt.de | www.caravan-wendt.de

12.05.2018